Dr.
Willibald Plöchl

Jurist und Hochschullehrer

* 1907   † 1984

 

Lebenslauf

Willibald Plöchl wurde am 7. Juli 1907 in St. Pölten als Sohn eines Direktors eines Landeslehrerseminars geboren. Sein Onkel Alois Plöchl gilt als einer der Gründer des Fußballvereins Austria Wien. Er besuchte zunächst das Stiftsgymnasium Seitenstetten und wechselte dann an die Handelsakademie in Wien. Dort fand er Anschluss an katholische Studentenverbindungen. Er maturierte im Jahre 1926. Anschließend studierte er an der Konsularakademie (Diplom 1929) und Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Er promovierte 1931 zum Dr. iur.

Aufgabe Verfolgung illegaler Nationalsozialisten, Habilitation im Fach Kirchenrecht

1932 trat er der Christlichsozialen Partei bei. 1933 wurde er Mitglied der Vaterländischen Front, 1936 war er kurz in deren Führerrat. Aufgrund seiner legitimistischen Überzeugung wurde er wieder entlassen.

1933 begann er in der Verwaltung der niederösterreichischen Landesregierung zu arbeiten. Eine seiner Aufgaben war die Verfolgung der illegalen Nationalsozialisten.
1935 erfolgte seine Habilitation im Fach Kirchenrecht unter besonderer Berücksichtigung des orientalischen Kirchenrechts an der Universität Wien. Er war vor allem Privatdozent für Kirchliche Rechtsgeschichte.

Emigration nach Nimwegen (Niederlande), dann in die U.S.A.

Willibald Plöchl trat entschieden für ein unabhängiges Österreich auf. Aus diesem Grunde und wegen seines Engagements gegen illegale Nationalsozialisten wurde der überzeugte Katholik sofort nach dem Anschluss aus dem Landesdienst entlassen und der Universität verwiesen.

Er geriet kurz in Gestapohaft, konnte aber noch im September 1938 seine Heimat verlassen und emigrierte zunächst gemeinsam mit seiner Frau Margarete Pittoni, die er 1930 geheiratet hatte, nach Nimwegen (Niederlande). Dort war er bis Anfang 1940 als Dozent an der dortigen Universität tätig.

Danach hielt er sich kurzzeitig in Paris auf. Er war Mitarbeiter der Ligue Autrichienne. Diese versuchte eine österreichische Exilregierung zu errichten. Zu Beginn des Frankreichfeldzugs setzte er sich über Spanien in die U.S.A. ab.

Visiting Professor an der Catholic University of America

Ab 1941 war er Visiting Professor an der Catholic University of America in Washington. Er bemühte sich, wie schon in Frankreich, vergeblich, gemeinsam mit anderen Emigranten eine österreichische Exilregierung zu bilden und deren Anerkennung durch die USA zu erreichen.

1947 Rückkehr nach Österreich, Professor für Kirchenrecht

1947 kehrte Willibald Plöchl gemeinsam mit seiner Frau nach Österreich zurück. Es erfolgte seine Rehabilitation als niederösterreichischer Landesbeamter und Privatdozent für Kirchenrecht. Im Jahre 1948 wurde er zum Professor für Kirchenrecht an die Universität Wien berufen. Er wurde ebenfalls 1948 Vorstand des Instituts für Kirchenrecht. 1949 lehnte er einen Ruf an die Universität Köln ab. In den Studienjahren 1953/1954 sowie 1962/1963 war Plöchl Dekan der juridischen Fakultät.

Hauptwerk

Als sein Hauptwerk gilt eine fünfbändige Geschichte des Kirchenrechts (Entstehungszeit 1953-1969). Plöchl bemühte sich, das Fach Kirchenrecht an einer juridischen Fakultät nicht als ein konfessionelles Recht, sondern als einen wichtigen Bestandteil des öffentlichen Rechts zu betrachten und in dieser Form zu lehren. Er begründete die Österreichische Gesellschaft für Kirchenrecht und das Österreichische Archiv für Kirchenrecht mit. Zudem wurde er zum Konsultor der Päpstlichen Kommission für die Revision des Kirchenrechts und des Ostkirchenrechts berufen.
Als erster Präsident der “Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen“ agierte er bereits lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil als überzeugter Anhänger der Ökumene.

Willibald Plöchl war von 1949 an bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1977 Ordinarius für Kirchenrecht an der Wiener Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät.

Auszeichnung

1968 wurde er mit dem Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.

Tod und letzte Ruhestätte am Friedhof Hietzing

Willibald Plöchl starb am 27. Mai 1984 in Wien. Er wurde im Familiengrab bestattet, das sich am Friedhof Hietzing, Gruppe 57, Nummer 105, befindet.

Gedenktafel

Die Gedenktafel für Willibald Plöchl befindet sich seit 2007 an seinem Wohnhaus Universitätsstraße 10 in Wien.

Publikation zu Ehren von Willibald Plöchl

Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes gab 2007 anlässlich des 100. Geburtstages von Willibald Plöchl eine Publikation mit dem Titel “Willibald Plöchl und Otto Habsburg in den USA” heraus.

Willibald Plöchl stand in enger Verbindung mit dem DÖW und unterstützte dessen Arbeit. Im DÖW befindet sich sein umfangreicher Nachlass. Sein Neffe Gerhard Plöchl konnte davon ausgehend die vorliegende Publikation erstellen.

"Mehr Licht in einen der zahlreichen Versuche, nach 1938 eine österreichische Exilregierung zu etablieren, bringt die vom Widerstandsarchiv herausgegebene spannende Dokumentation von Gerhardt Plöchl."
Aus: Wiener Zeitung, 7. 8. 2007, S. 10.

Josef Maria Plöchl, Widerstandskämpfer

Sein Bruder Josef Maria Plöchl wurde in Folge des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus hingerichtet.

Weblinks

Wir erinnern uns

Sie sind eingeladen, Ihre persönliche Erinnerung an
Dr. Willibald Plöchl nieder zu schreiben.

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Erinnerung von eva herzig-plöchl   16.03.2017

Als Nichte konnte ich erreichen, dass das Familiengrab am Hietzinger Friedhof in die Obhut/Ehrengrab der Stadt Wien uebergeben wurde. Sowie ein Bild meines Onkels anbringen lassen. Die Erinnerung an ihn soll fuer die Nachwelt erhalten bleiben.